Kißlegg nahm das Räumeprogramm mutig vorweg

Im kirchennahen Klosterhof kam nach umfassender Renovierung neben dem nun barrierefreien Gemeindesaal auch das Katholische Verwaltungszentrum unter.

Der renovierte historische Klosterhof in Kißlegg. Foto: Mario Paoli

1.10.2026

Kloster, Rathaus, Schule, Kindergarten, Gemeindehaus - das historische Gebäude neben der Kißlegger Barockkirche hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die im 17. Jahrhundert neu erbaute Heimat der Franziskanerinnen, die bis 1854 hier wirkten, gehört heute der katholischen Kirchengemeinde St. Gallus und Ulrich. Frisch renoviert beherbergt sie nun den Gemeindesaal und das Katholische Verwaltungszentrum Allgäu-Oberschwaben. Vor der offiziellen Einweihung feierte Weihbischof Matthäus Karrer mit der Kirchengemeinde, Vertreter:innen der neuen Mieter und allen an der Renovierung Beteiligten am Sonntag einen festlichen Gottesdienst in der Kirche und besprengte hinterher zusammen mit Ortspfarrer Gunnar Sohl die Räume mit Weihwasser.

Diözesanbaumeister Dr. Thomas Schwieren lobte beim Festakt für geladene Gäste die Verantwortungsträger der Kißlegger Kirchengemeinde. Als der diözesane Prozess „Kirche der Zukunft“ mit dem Räumeprogramm noch Zukunftsmusik war, sei man in Kißlegg mutig und ambitioniert vorangegangenen und habe das, was heute an Reformen und Verschlankungsmaßnahmen in aller Munde ist, bereits Jahre zuvor angegangen. Anstelle des Kindergartens im dringend sanierungsbedürftigen Klosterhof schuf die Kirchengemeinde auf einem ihrer Grundstücke zusammen mit der Stiftung KBZO das inklusive Leuchtturmprojekt „Kinderhaus Regenbogen“, das im Herbst 2019 eingeweiht wurde.

Gottes Segen für Gemeinde und Verwaltung

Den Gemeindesaal im Obergeschoss des denkmalgeschützten Klosterhofs, der nun einen barrierefreien Zugang erhielt und 70 Personen Platz bietet, wollte die Kirchengemeinde beibehalten. Die Idee zur Umwandlung der übrigen Räumlichkeiten in ein Verwaltungsgebäude und zur Vermietung desselben an das bereits in Kißlegg ansässige Verwaltungszentrum, nannte Walter Kuon einen Glücksfall für alle Beteiligten. Die Leistung Kuons als früherer gewählter Vorsitzender, der die Baumaßnahmen über seine Amtszeit hinaus begleitete, und seines Nachfolgers Reinhold Evers für das Projekt hob Schwieren lobend hervor und bedankte sich.

Bereits vor dem Einzug des Verwaltungszentrums lud die Kirchengemeinde Interessierte aus Kißlegg und Umgebung Ende Juni zu einem Tag der offenen Tür ein, wo die denkmalgerechte Sanierung viel Zuspruch erfuhr. Dass der Segen für ein kirchliches Gebäude nicht den Steinen, sondern zuallererst den Menschen gilt, die es nutzen, betonte Karrer in seiner Predigt. „Diese werden dadurch ermutigt, ihre Begabungen und Fähigkeiten sowohl im Hauptamt als auch im Ehrenamt umzusetzen und für Kirche und Gesellschaft fruchtbar zu machen“, sagte der Weihbischof den Zuhörer:innen und wünschte ihnen ein gutes Miteinander im Klosterhof.

Markus Waggershauser und Mario Paoli