
Pastorale Grundlage
Kirche an vielen Orten
Die aktuellen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft bedingen Veränderungen der Pastoral: Kirchenentwicklung geht weiter.
Die Diözesanleitung hat 2021 nach intensiven Beratungen im Diözesanrat 10 Orientierungen und 4 Schwerpunkte der Kirchenentwicklung definiert, die das Leitbild der diakonisch-missionarischen Kirche entfalten. Diese sind Grundlage der pastoral-konzeptionellen Überlegungen.
Für einen spirituellen Einstieg in das Projekt vor Ort empfehlen wir Exerzitien im Alltag mit dem Titel „Baustelle Kirche“.
10 Orientierungen ...
... der Kirchenentwicklung entfalten die Vision einer diakonisch missionarischen Kirche.
- Jesus Christus versammelt und sendet. Christsein ist Miteinander- und Füreinander-Dasein, beides gehört zusammen.
- Wir sind eine Kirche, in der das Evangelium entdeckt, gelebt und verkündet wird. Das Evangelium ereignet sich mitten in der Welt, dafür sind Christ:innen Zeug:innen.
- Haltungen prägen christliches und kirchliches Leben. Es kommt auf die Haltung an. Gegenwärtig sind wichtig: Lassen und Vertrauen, Geduld und Risiko, Wertschätzen und Augenhöhe.
- Kirche lebt an vielen verschiedenen Orten. An verschiedenen (kirchlichen) Orten ist Kirche erreichbar und ansprechbar – für unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und (Lebens-)Fragen.
- Kirchliche Orte beziehen sich auf den sozialen Raum. Kirche liegt am Herzen, dass Menschen ihr Leben selber gestalten können und das Gemeinwohl und der Zusammenhalt in Quartier und Gesellschaft gestärkt werden.
- Wir vernetzen uns. Im Sozialraum braucht Kirche Partner:innen für Vernetzung und Kooperation.
- Hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierte ermöglichen Christsein. Hauptamtliche unterstützen ehrenamtlich Engagierte, beide unterstützen Christsein als Miteinander- und Füreinander-Dasein.
- Partizipation ist Grundprinzip und Gestaltungsprinzip der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Partizipation in einer synodalen Kirche stärkt die Selbstwirksamkeit der Menschen – wesentliche Voraussetzungen für das Projekt Demokratie in unserer Gesellschaft.
- Gottes Geist gibt uns Energie, mutig und innovativ zu sein. Neues auszuprobieren mag anstrengend sein, aber meistens entsteht beim Tun Lust und Energie und die geteilte Erfahrung, dass es sich lohnt.
- Wir ermutigen, in den unterschiedlichen Medien vom Glauben zu erzählen. Die digitalen Kanäle bedürfen einer verstärkten Aufmerksamkeit für die Glaubenskommunikation und das Glaubenszeugnis.
In 4 Schwerpunkten ...
... formuliert die Diözese die strategischen Ziele der Kirchenentwicklung:
- Der einzelne Mensch, sein Leben und sein Glauben stehen im Mittelpunkt kirchlichen Handelns.
→ Im Fokus sind Einzelseelsorge und Glaubenskommunikation.
- Engagemententwicklung und eine zeitgemäße Ehrenamtskultur sind grundlegend für eine partizipative Kirche
→ Im Fokus sind neue Modelle der Gemeindeleitung und neue Formen des Engagements.
- In ihrem pastoralen und diakonischen Handeln vernetzen sich kirchliche Orte untereinander und mit gesellschaftlichen Partnern im Dienst des gesellschaftlichen Zusammenhalts in sozialen Räumen
→ Im Fokus sind Vernetzungen mit caritativen, sozialen und kommunalen Trägern und Einrichtungen und die Quartierspastoral im ländlichen und städtischen Raum.
- Damit Kirchenentwicklung wirksam werden kann, wird mit den drei inhaltlichen Schwerpunkten eine strategische Personal- und Organisationsentwicklung verbunden.
„Kirche braucht immer beides: stabile Orte und mobiles Handeln im Sozialraum. Stabil und mobil im Innen und im Außen von Kirche gehören in Zukunft zusammen.“
Bernd Hillebrand, Institut für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie Graz
Kirche an vielen Orten
- In eigenen Räumen
- In gemeinsam genutzten Räumen: In kooperativer Trägerschaft mit gesellschaftlichen Träger:innen, Einrichtungen oder ökumenischen Schwesterkirchen, als Mieterin in kommunalen Gebäuden, in Pflegeeinrichtungen, Cowork-Spaces …
- Ohne Räume: Zu Gast bei anderen Organisationen, lokalen Partner:innen, Institutionen, Einrichtungen, Personen …, mobile Kirche (Coffeebike, Pfarrbüro mobil …), weil Kirche absichtslos gastfreundlich ist, als Gastgeberin und als Gast.
- In Räumen für alle Menschen im Quartier und Sozialraum: Weil Kirche für die Menschen da ist, leicht erreichbar und in ansprechender Atmosphäre.
- In Räumen für Vernetzungen und Kooperationen mit lokalen Partner:innen: Vereine, Verbände, Kommunen, Einrichtungen, Kirchen, Initiativen, Projekte etc., offen für Gäste und bereit, Gast zu sein in gemeinsamer Trägerschaft, weil Engagement für das Gemeinwohl nur zusammen geht, weil kirchliche und nichtkirchliche Räume gemeinsam genutzt werden können.
- In Räumen für Seelsorge, geistliches Üben und Kommunikation über Glaube und Leben und Gott und die Welt: Weil Kirche Christsein und christliches Engagement ermöglichen und stärken will.
- In Räumen für Neues und Unbekanntes, leergeräumt und offen für Dinge, die noch sein werden: Weil das Evangelium immer wieder neu entgegenkommt, weil Kirche offen ist für sozial-gesellschaftliche Entwicklungen und für neue Aufgaben, weil Seelsorge sich an immer neuen Bedarfen der Menschen orientiert.

